Unter der Rubrik MuM (Mitarbeiter und Menschen) möchte ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder eine Person vorstellen, mit der ich redaktionell zusammenarbeite und mit der mich gleichzeitig menschlich einiges verbindet. Denn gerade bei der Kreativ-Arbeit ist es wichtig, dass die Chemie zwischen zwei Personen stimmt und nur so sind gute Ergebnisse möglich, die wir euch dann in Zeitschriften / Büchern oder hier im Netz zeigen können. Im heutigen Bericht ergab diese Zusammenarbeit sogar eine kostenlose Anleitung für euch.

Begegnung in Florenz

Es gibt wohl kaum schönere Möglichkeiten wie sich in Florenz auf der Modemesse zu begegnen. Gleich beim Betreten der großen Messehalle wurde man von einer Ausstellung zum Thema „Feel the yarn“ begrüßt. Verschiedene Designer aus der ganzen Welt waren ausgewählt worden, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.

Die beiden Modelle zogen gleich meine Aufmerksamkeit auf sich

Theresa Scholl hieß die Designerin und sofort wurde der Wunsch wach, sie kennen zu lernen

 

Interessante Gespräche

Von Anfang an konnten wir uns wunderbar austauschen und Theresa schickte mir Bilder vom tollen Foto-Shooting, das nach der Messe abgehalten wurde.

Beim Fotoshooting mit der Fotografin Melanie Ritter wurde das Thema wunderbar eingefangen.

Vielen Dank an Theresa, dass ich die Bilder hier zeigen darf.

 

Es war sehr spannend, mal mitzubekommen wie Designer, die sonst eher Stoff als Materialgrundlage verarbeiten an ihre Designs herangehen. Und so wuchs bei einem Gespräch die Idee ob Theresa nicht mal Stoff und Wolle von Woolly Hugs in einem Modell verarbeiten möchte. Theresa lies sich sofort davon begeistern und setzte sich auch gleich an die Vorbereitung.

In einem Skizzenbuch wurden erste Ideen gesammelt – was ich total spannend fand.

Als Material hat sie sich zu ihrem Stoffe die BOBBEL-MERINO ausgesucht, die sich dann auf die Reise zu Theresa machte.

 

BOBBEL-MERINO
Farbe 104

Bald waren die ersten Maschenproben gemacht.

Da das Garn doch sehr dünn ist, beschloss Theresa es doppelt zu verarbeiten

so passte dann Strick & Stoff zusammen

Und dann war eine Zeit lang Funkstille, denn Theresa werkelte fleißig vor sich hin – bis dann folgende Bilder eintrafen:

Ein trendiges Modell aus einem Rockteil aus Stoff mit angenähtem Strick-Oberteil plus dazu passende Stulpen war entstanden

und schöne stimmungsvolle Bilder waren auch schon gemacht

Die Armstulpen waren anfangs gar nicht geplant, aber es war noch viel Wolle übrig…

…und nun runden sie das Ganze perfekt ab!

Einfach klasse! Findet ihr nicht auch?

Und nun kommt das Tollste: Theresa hat euch eine Anleitung geschrieben, wie ihr das Modell nacharbeiten könnt.

Theresa Scholl schreibt euch dazu dazu folgenden Text:

Über mich

Hallo liebe Strickfreunde. Ich bin Studentin im Masterstudium Textile Produkte Design an der Hochschule Niederrhein. Mein Fachgebiet ist Textildesign und hier besonders Maschenwaren und Textildruck.

 

Pitti Filati

 

Veronika und ich haben uns auf der Messe „Pitti Filati“ in Florenz kennengelernt. Hier habe ich an dem Wettbewerb „Feel the Yarn“ teilgenommen. Dieser jährlich stattfindende Wettbewerb, zu dem verschiedene internationale Universitäten eingeladen werden, wird von der CPF – Consorzio Promozione Filati und der Pitti Immagine veranstaltet.

Die teilnehmenden Studenten erhalten ein Briefing bestehend aus zwei verschiedenen Trendthemen und einer Farbkarte. Dann geht es an die Erstellung eines Konzeptes und das Entwerfen der Outfits. Jedem Studenten wird ein Garnlieferant zugelost, aus dessen aktueller Kollektion Garne ausgewählt werden können. Gestrickt wird je nach Ausstattung der Hochschule an Elektronischen Strickmaschinen, halbautomatischen Handstrickmaschinen oder auch ganz „oldschool“ per Hand.

Die Outfits zu meinen Designkonzept „human body 2.0 – knit mix“ sind inspiriert von der Idee des Transhumanismus und des Cyborg. Sie sind in Fully Fashion auf einer Elektronischen Strickmaschine von Stoll entstanden. Die Programme dazu habe ich selber geschrieben. Einige Komponenten sind zudem mit einer Handstrickmaschine gefertigt. Abschließend habe ich die Outfits mit aufwendigen Details verziert und durch weitere Accessoires ergänzt.

Bei diesem Wettbewerb dabei zu sein und die fertigen Designs auf der Pitti Filati in Florenz auszustellen war eine ganz besondere Erfahrung. Es fordert ein hohes Maß an Kreativität, aber auch Ausdauer, in einer so kurzen Zeit zwei aufwendige Outfits zu kreieren und nicht durch technisch und Material bedingte Einschränkungen und auch eigene Fehleinschätzungen die Motivation zu verlieren. Aber am Ende, bei der großen Präsentation auf der Messe in Florenz ist dann alle Mühe vergessen: ein tolles Feedback auf der Messe selbst, ein super Programm mit vielen Firmenbesuchen und das großartige Fotoshooting mit der Fotografin Melanie Ritter sind Belohnung genug.

Nach der Messe kam Veronika auf die Idee, einmal mit einem Entwurf aus dem Garn BOBBEL MERINO für die diesjährigen Wintersaison zu zeigen wie eine professionell ausgebildete Design-Studentin an den Gestaltungsprozess herangeht und was daraus am Ende entstehet. Mit dieser Idee konnte sie mich schnell begeistern.

Am Anfang des Designprozesses steht der Gedanke, was man eigentlich genau erschaffen möchte. Mein Ziele war es ein Strickoberteil aus dem Garn Bobble Merino zu entwickeln, dass zwar handwerklich leicht anzufertigen, aber auch mit unerwarteten Details versehen ist. Dabei wollte ich die Qualität des Garnes, seine Farbigkeit und auch die Möglichkeit der Variation aufzeigen.

Darauf folgt die Recherche für das stilistische Konzept. Mich inspirieren oft Formen und Farben der Natur, die ich auf Reisen gesehen habe. Deshalb komme ich immer mit hunderten von Fotos von Strukturen und Farben von Steinen, Pflanzen, Wasser und sogar Hauswänden oder anderen künstlichen Gegenständen zurück. Für das Strickoutfit, welches ein warmes wolliges Design für die kalte Jahreszeit sein sollte, musste ich sofort an den Aufenthalt in Island denken. Ein besonders faszinierendes Naturerlebnis ist die Gletscherlagune „Jökulsárlón“. Der See liegt direkt an der Südküste Islands. Im See sammelt sich Treibeis, das von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull abbricht. Die Eisberge schwimmen einige Jahrzehnte in dem See bis sie so klein geschmolzen sind, dass sie ins Meer hinaus getragen werden. An sonnigen Tagen ist das Wasser von einem strahlenden türkis, das Eis hebt sich weiß-bläulich und das Licht bricht sich und strahlt in einer unglaublichen Intensität. Auffällig ist, dass viele Eisberge kleine schwarze Partikel beinhalten, die Ablagerungen von Asche aus längst vergangenen Vulkanausbrüchen sind. Um dieses faszinierende Farbspiel umzusetzen ist die Wolle in dem Farbton Petrol genau richtig.

Kostenlose Anleitung für euch von Theresa!

Es folgten Gedanken über Bindung und Schnitt des Outfits. Dabei habe ich um eine ideale Struktur im Gestrick zu erhalten das Garn einfach-, zweifach- und dreifach-verarbeitet und auch mit verschiedenen Strick bzw. Häckelnadel-Stärken experimentiert. Letztlich fiel die Entscheidung für ein Strickmuster aus Links-Links Bindungen und Doppelperlfang für die das Garn zweifach genommen und mit Nadeln in der Stärke 6,0 verarbeitet wird

Den besonderen Twist erhält das Teil durch ein Element aus der Outdoorbekleidung – wattierten Steppstoff – der in Form einer Passe an den unteren Teil des Pullunders genäht wird.

Ergänzt wird das Oberteil durch Armstulpen mit Daumenkeil. Damit diese Armstulpen nicht zu voluminös werden, wird das Garn hier einfach verarbeitet und mit einem Nadelspiel in der Stärke 3,5 gestrickt.

Pullunder und Stulpen lassen sich toll mit einem schwarzen Longsleeve und einer dunklen Jeans oder Lederhose kombinieren.

Ich hoffe, es bringt euch warm und gemütlich durch die kalten Wintertage.

Die Anleitung findet ihr hier als Download

Eure Theresa

Vielen Dank an dich, liebe Theresa, dass du das Projekt „Stoff-Design trifft Woolly Hugs“ so wunderschön umgesetzt hast.

Veronika

Woolly Hugs – immer eine Umarmung mehr